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Medienschau Mai 2026

Das Rauschmittel LSD soll Sterbenden helfen, 2025 gab es wiederum mehr palliative Betreuung am Kinderspital Zürich und die Palliativabteilung des Kantonsspitals Winterthur zieht in die Liegenschaft am Lindberg. Diese und weitere Themen in unserer Medienschau vom Mai.

Der Rausch als Mittel gegen die Todesangst? LSD soll Sterbenden helfen, berichtet die Sendung «10vor10» von SRF. LSD ist grundsätzlich verboten, doch die ehemalige Hippie-Droge erlebt ein überraschendes therapeutisches Comeback – zum Beispiel als Hilfe bei Depressionen. Eine Gruppe Schweizer Ärztinnen und Ärzte will nun wissenschaftlich beweisen, dass LSD als Medikament auch Sterbenden helfen kann – in der Palliativmedizin. «LSD ist eine Substanz, die den Menschen möglicherweise hilft, ihr Ängste vor dem Tod, vor Schmerzen oder vor Verlusten zu überwinden», sagt Sivan Schipper, Leitender Arzt am Spital Uster. Die Studie läuft an den Universitätsspitälern Basel, Zürich und Genf sowie am Spital Uster. LSD wirkt auf das Hirn, macht eine Art Neustart und kann damit möglicherweise neue Perspektiven eröffnen. «Das ist gerade bei Patienten in der Palliative Care relevant», sagt Yasmin Schmid, Leitende Ärztin klinische Pharmakologie am Universitätsspital Basel. Diese Patientinnen und Patienten kämen oftmals in Gedankenspiralen von negativen Gefühlen, wenn sie den baldigen Tod vor Augen hätten.

LSD hat in den letzten zwanzig Jahren in der Forschung einen Boom erlebt. Einer der Pioniere in der LSD-Forschung mit Palliativpatientinnen und -patienten ist der Amerikaner Bill Richards. Er sagt im Beitrag: «Die Schweiz kann sehr stolz sein auf sich. Sie führt die weltweite Forschung an, um das volle Potenzial von Psychedelika in der palliativen Medizin auszuschöpfen.» Es ermöglicht Menschen ein viel erfüllteres Leben vor dem Tod, als es wohl sonst der Fall sein würde.» Aber die Vorurteile gegen die Droge seien bis heute gross. Das sei eine Hürde für die ganze Schweizer Studie, welche noch mindestens zwei Jahre laufe.

«LSD-Forschung in der Schweiz zur Palliativmedizin». 10vor10 / SRF news. 15.5.2026


Das Pädiatrische Palliative Care Team des Universitäts-Kinderspitals Zürich hat 2025 erneut deutlich mehr unheilbar kranke Kinder und deren Familien begleitet. Insgesamt betreute das Team 236 Familien, hinzu kamen neun Begleitungen bereits vor der Geburt. Laut dem Kinderspital fanden dabei über 8200 Konsultationen statt.

Das spezialisierte Team begleitet Kinder mit schweren unheilbaren Erkrankungen oder nach tragischen Unfällen – von Neugeborenen bis zu Jugendlichen. Ziel ist es, die Lebensqualität der Kinder möglichst lange zu erhalten und Familien im Alltag zu entlasten. Betroffen sind unter anderem Kinder mit neurologischen- und Stoffwechselerkrankungen, schweren Herzfehlern oder Krebs.

Wie das Kinderspital in einer Medienmitteilung schreibt, bedeutet Palliative Care nicht nur Sterbebegleitung. Viele Familien würden über längere Zeit unterstützt – etwa bei schwierigen Therapieentscheiden oder der Organisation der Betreuung zuhause. Dafür führt das Team regelmässig Gespräche mit Kinderärzten, Pflegeorganisationen, Schulen oder Therapeutinnen. 2025 gab es 122 externe Besuche sowie rund 70 interdisziplinäre Gespräche. Zunehmend begleitet das Team auch Familien bereits während der Schwangerschaft, wenn schwere Fehlbildungen oder lebenslimitierende Erkrankungen diagnostiziert werden. Wichtig bleibt zudem die psychologische Unterstützung von Eltern und Geschwistern – auch nach dem Tod eines Kindes.

«Mehr palliative Betreuung am Kinderspital Zürich». medinside. 26.5.2026


Swiss Medical Network schliesst die Privatklinik Lindberg in Winterthur Ende Juni. Man habe entschieden, die medizinischen Aktivitäten auf die Privatklinik Bethanien in Zürich und die Privatklinik Belair in Schaffhausen zu konzentrieren.

In die freiwerdenden Flächen am Lindberg wird das Kantonsspital Winterthur (KSW) ziehen. Mit der Eigentümerin der Liegenschaft sei ein langfristiger Mietvertrag unterzeichnet worden. Das KSW wird im Lindberg nach baulichen Anpassungen Akutgeriatrie und Palliative Care anbieten. Die Betriebsaufnahme ist für Anfang des nächsten Jahres vorgesehen. Die Bauarbeiten erfolgen zwischen Juli und Dezember 2026. Zudem erhalten alle Lernenden der Privatklinik Lindberg die Möglichkeit, ihre Ausbildung am KSW fortzusetzen.

Das KSW reagiert damit auf den steigenden Bedarf an stationären Behandlungsangeboten für ältere und schwer kranke Menschen. Auf dem gegenwärtigen Areal fehlen die dafür nötigen Flächen. Die Palliativabteilung ist schon seit Längerem in einem Provisorium untergebracht.

«Swiss Medical Network schliesst Privatklinik Lindberg Ende Juni». Der Landbote. 7.5.2026


Im Kanton Zürich läuft ein politischer Streit um Sterbehilfe. Hintergrund ist eine Initiative, die Sterbehilfe in allen Gesundheitseinrichtungen erlauben will. Nun haben die Initianten die sogenannte Sterbehilfe-Initiative zurückgezogen. Sie sehen ihren wichtigsten Punkt durch den Gegenvorschlag des Kantonsrats als erreicht an. Dieser will die Freitodbegleitung in allen Zürcher Heimen und Spitälern künftig erlauben, auch wenn diese privat betrieben werden. Bislang müssen nur Heime Sterbehilfe zulassen, die von einer Zürcher Gemeinde betrieben oder beauftragt sind. Die Initiative hatte zudem gefordert, dass Sterbehilfe auch in ambulanten Praxen, psychiatrischen Einrichtungen und im Gefängnis erlaubt wird. Dies ging jedoch dem Regierungsrat und dem Parlament zu weit.

Eine Volksabstimmung über die Sterbehilfe in Heimen und Spitälern wird es dennoch geben. Eine Allianz von Mitgliedern aus SVP, FDP, EVP und EDU hat das Referendum gegen den Gegenvorschlag ergriffen. Sie wehrt sich dagegen, dass private Heime gezwungen würden, Sterbehilfe gegen ihre Überzeugungen zu dulden. Die Abstimmung findet am 27. September 2026 statt.

«Komitee zieht ihre Initiative zur Sterbehilfe zurück». Tages-Anzeiger. 26.5.2026


Alters- und Pflegeheime in Solothurn müssen ab 2027 externen Sterbehilfeorganisationen den Zugang zu ihren Räumen erlauben. Bisher waren diese nur in rund der Hälfte der Institutionen im Kanton zugelassen. Anfang Mai hat der Kantonsrat eine Änderung im Gesundheitsgesetz beschlossen, mit der ab 2027 alle Alters- und Pflegeheime mit öffentlich-rechtlichem Auftrag Sterbehilfeorganisationen in ihren Räumlichkeiten dulden müssen. Dabei liegt die Betonung auf «dulden».

Bei der Gesetzesänderung gehe es ausdrücklich um eine Duldungspflicht, wie in der Debatte betont wurde, nicht um eine Mitwirkungspflicht. Die Institutionen müssen die Sterbehilfe nicht selbst anbieten, sondern lediglich externen Sterbehilfeorganisationen wie Exit oder Dignitas den Zugang zu ihren Räumen erlauben, wenn eine Heimbewohnerin oder ein Heimbewohner den Sterbewunsch äussert. Die neue Duldungspflicht gilt dabei nicht für Spitäler und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Neu gilt dafür für alle Spitäler, Pflegeheime und Behindertenheime eine Informationspflicht bezüglich der betriebsinternen Regelung der Sterbehilfe.

«Solothurner Heime müssen Sterbehilfe dulden». Basler Zeitung. 6.5.2026


Warum können Menschen nicht zu Hause sterben, obwohl es ihr ausgesprochener Wille ist? Drei Viertel aller Menschen in der Schweiz sagen, dass sie am liebsten zu Hause sterben möchten. Dort, wo Erinnerungen wohnen. Dort, wo vertraute Stimmen einen umgeben, wo der Blick aus dem Fenster bekannt ist, wo man die Gerüche kennt und das Leben stattgefunden hat. Und dennoch sterben heute rund 40 Prozent der Menschen im Spital und weitere 40 Prozent in Alters- und Pflegeheimen. Nur etwa jeder fünfte Mensch verbringt seine letzten Stunden zu Hause oder unterwegs. Diese Diskrepanz wirft Fragen auf. Warum gelingt es uns so selten, den letzten Wunsch vieler Menschen zu erfüllen? Fehlt die Überzeugung, dass dies zu Hause machbar ist? Fehlt der Mut, oder fehlt schlicht das Wissen darüber, was heute zu Hause überhaupt möglich ist?

Die Voraussetzungen wären vielerorts vorhanden. Gerade im Oberwallis existiert ein ausgewogenes Netz an Unterstützung, wie der «Walliser Bote» schreibt: Spitex, Hausärztinnen und Hausärzte, der mobile Palliative-Care-Dienst und der Verein für Sterbe- und Trauerbegleitung. Menschen begleiten Menschen – medizinisch, menschlich und würdevoll. Viele Angehörige wissen jedoch gar nicht, dass sie in dieser anspruchsvollen Zeit nicht allein gelassen werden.

Zu Hause sterben bedeutet nicht, auf professionelle Hilfe zu verzichten. Im Gegenteil. Palliative Care ermöglicht Schmerztherapie, Symptomkontrolle und psychosoziale Unterstützung direkt daheim, so wie dies im Spital angeboten wird. Die Spitex leistet Tag für Tag Enormes, kommt wenn nötig mehrmals täglich vorbei und hat einen Pikettdienst. Freiwillige Sterbe- und Trauerbegleiter schenken Zeit, Entlastung und menschliche Nähe. Persönliche Hausärzte kennen oft nicht nur die Krankengeschichte, sondern den ganzen Menschen. Im interprofessionellen Zusammenspiel aller ist es möglich, ein schönes und würdevolles Sterben zu Hause zu ermöglichen.

«Ein letzter Wunsch». Walliser Bote.ch. 27.5.2026


Was beschäftigt die Menschen rund ums Thema Lebensende? Das wollte der Verein palliative aargau von den Menschen in der Aarauer Altstadt wissen. Über 100 Personen besuchten den Stand am vergangenen Samstag, um Fragen zu unheilbaren Krankheiten und dem Lebensende zu stellen, schreibt palliative aargau in einer Mitteilung. Auskunft gab es von sieben Fachleuten aus Medizin, Pflege, Psychologie, Sozialarbeit und Seelsorge. Die Themen reichten von philosophischen Fragen über den Tod bis hin zu medizinischen Versorgungsoptionen und der Organisation von Pflegeunterstützung. «Wir freuen uns über den Erfolg der Aktion, umso mehr, als das Thema Lebensende für viele Menschen ein Tabu ist», sagte Hape Müller, Geschäftsführer von palliative aargau. Das Ziel der Aktion sei gewesen, durch offenen Dialog Ängste und Befürchtungen abzubauen und die Anliegen der Bevölkerung zu erfassen.

Die Strassenaktion von palliative aargau markierte den Start der Kampagne «Endlich Antworten», die mit Unterstützung des Kantons Aargau durchgeführt wird. Der Verein sammelt die gestellten Fragen und bietet in den kommenden zwei Wochen die Möglichkeit, weitere Fragen schriftlich einzureichen.

«Kampagnenstart mit Fragen zum Lebensende». Aargauer Zeitung. 8.5.2026


Was Marlis Schöni aus Hägendorf als Sterbebegleiterin antreibt und weshalb ihre freiwillige Arbeit kein Ersatz für die Spitex ist, zeigt ein Artikel des «Grenchner Tagblatt» auf. Marlis Schöni ist Begleiterin für Menschen, die kurz vor dem Tod stehen. Seit 2014 steht die Hägendörferin Patientinnen und Patienten auf ihrem letzten Lebensabschnitt bei, hält nicht selten Sitzwachen in der Nacht, leistet ihnen aber auch mal den Tag hindurch während einiger Stunden Gesellschaft. Diese Palliativ-Begleitung ist ein unentgeltliches Angebot der Evangelisch-Reformierten Kirchgemeinde Region Olten, das Patientinnen und Patienten zu Hause, aber auch deren Angehörige in Anspruch nehmen können, um sich zwischendurch zu entlasten. Die Koordination der Einsätze erfolgt durch Palliative Care und Begleitung der Aargauer Landeskirchen.

Zwei bis sechs Begleitungen von sterbenden Menschen führt Marlis Schöni jährlich durch. Neben ihr stehen in der Region Olten fünf weitere Frauen im Einsatz – allesamt Freiwillige. Am häufigsten wünschten Patientinnen und Patienten, dass die Begleiterin sich zu ihnen ans Bett setze, erklärt Marlis Schöni. «Oft wollen sie auch, dass wir ihre Hand halten, damit sie sich nicht alleingelassen fühlen.»

Macht Marlis Schöni der Gedanke nicht zu schaffen, dass bei ihrem nächsten Einsatz ein Mensch sterben könnte? «Erstaunlicherweise habe ich keine Probleme damit», gibt die Palliativ-Begleiterin zur Antwort. Es sei im Gegenteil eine bereichernde Erfahrung, einer Person an ihrem Lebensende beistehen zu können. «Ich kann ihr Trost spenden und verhindern, dass jemand einsam sterben muss.» Zudem erfahre sie von den Patientinnen und Patienten immer wieder Zeichen des Dankes. «Das kann ein scheues Lächeln sein oder auch ein Händedruck. Nicht zuletzt zeigten sich die Angehörigen immer wieder dankbar für die Entlastung, die eine Palliativ-Begleitung ihnen bringe.

«Du darfst loslassen». Grenchner Tagblatt. 22.4.2026


Und dieser Podcasts ist uns im Mai besonders aufgefallen:

Barbara Bertschi hat Knochenkrebs und Brustkrebs gehabt, ihr Bein verloren und ihren Mann durch Krebs verloren. Und trotzdem trifft sie jeden Tag neu die Entscheidung, das Leben zu geniessen. In «Nachgefragt», dem Podcast von Krebsliga Schweiz, spricht sie über Schicksalsschläge, innere Stärke und die Frage, wie man das Leben annimmt – auch wenn es schwer ist.