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Medienschau Juni 2026

Die Krankenkassen müssen ab 2027 mehr für Palliativpflege bezahlen, vor 30 Jahren wurde in Arlesheim das Hospiz im Park gegründet und der Palliativmediziner Gian Domenico Borasio war zu Gast bei «Sternstunde Philosophie». Diese und weitere Themen in unserer Medienschau vom Juni.

Leistungen der Palliativpflege sollen besser vergütet werden. Der Bundesrat hat im Juni entschieden, die Beiträge der Krankenkassen für die spezialisierte Pflege von Menschen am Lebensende ab Anfang 2027 zu erhöhen. Das heutige Regime für die Vergütung von Pflegeleistungen sei für spezialisierte Palliativpflege im Pflegeheim oder zu Hause nicht immer angemessen, meinte er und hiess deshalb mehrere Verordnungsänderungen gut.

Das kann auch Folgen für die Versicherten haben. Denn ihr Beitrag an die Pflegekosten richtet sich nach dem Beitrag, den die Krankenkassen leisten müssen. Auf die Versicherten dürfen höchstens 20 Prozent des Höchstbeitrags der Grundversicherung überwälzt werden. Damit wegen der besseren Vergütung von Palliativpflege nicht alle mehr bezahlen müssen, hat der Bundesrat differenzierte Höchstbeiträge beschlossen.

Die Neuregelung ist für eine Übergangszeit gedacht. Denn ab 2032 wird die einheitliche Finanzierung aller ambulanten und stationären Gesundheitsleistungen (Efas) umgesetzt. Ab dann werden neu ausgehandelte Tarife gelten. Heute müssen sich Versicherte, die Pflege benötigen, mit einem fixen Betrag an den Kosten beteiligen. Den Rest der Kosten tragen die Grundversicherung – mit einem fixen Betrag – und die Wohngemeinde und/oder der Wohnkanton.

«Krankenkassen müssen ab 2027 mehr für Palliativpflege bezahlen». SDA. 12.6.2026


Vor 30 Jahren gründete Vreni Grether das Hospiz im Park in Aresheim. Aus einer persönlichen, traurigen Erfahrung fasste sie den Entschluss, dem Sterben mehr Würde zu verleihen. Sie folgte dem Gedanken, dass es in der Medizin nicht nur darum gehen sollte, das Leben um Tage zu verlängern, sondern den Tagen mehr Leben zu geben. Mit diesen Worten würdigte kürzlich Jan Gärtner, Chefarzt Palliativmedizin des Bethesda-Spitals, im Rahmen eines Festakts Vreni Grethers Lebenswerk.

Mit der Eintragung der Stiftung im Mai 1995 wurde der Grundstein für eine Institution gelegt, die die Palliative Care in der Schweiz nachhaltig prägen sollte. «In einer Zeit, in der die spezialisierte Betreuung schwerkranker und sterbender Menschen noch wenig etabliert war, entstand durch die Vision von Vreni Grether in Arlesheim eine Leuchtturm-Institution mit klarem Anspruch: Lebensqualität bis zuletzt in einem familiären Umfeld zu ermöglichen.» So schreibt es Stiftungsratspräsident Walter Brunner in der Jubiläumsschrift. Im Juni 1996 nahm das damalige Hospiz im Park seinen Betrieb auf und gehörte zu den ersten Einrichtungen dieser Art in der Schweiz.

Seit 2023 heisst das Hospiz im Park Palliativklinik im Park. Mit dem Namenswechsel wurde der gewachsenen medizinischen Spezialisierung der Palliative Care und dem erweiterten Leistungsauftrag Rechnung getragen. Viel Lob überbrachte Jan Gärtner. «Hier wurde in den letzten dreissig Jahren Wegweisendes und Grosses erreicht», sagte er. «Hier wurde akademische Vorarbeit geleistet.» Denn vor 30 Jahren seien Tod und Sterben noch ein Tabu gewesen.

«Mit Würde bis zum letzten Atemzug». Wochenblatt. 18.6.2026


Mit «Interviews mit Sterbenden» leistete die schweizerisch-US-amerikanische Psychiaterin und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross (1969) Epochemachendes: Sie brach das Schweigen über den Tod und verschob ihn aus der Tabuzone in den gesellschaftlichen Diskurs. Ihre kulturelle Leistung liegt darin, das Sterben als Teil des Lebens sichtbar gemacht zu haben – eine Voraussetzung für die moderne Palliativmedizin.

Zum 100. Geburtstag von Eliabeth Kübler-Ross widmete sich die «Sternstunde Philosophie» ganz dem Thema Palliativmedizin. Zu Gast war der Palliativmediziner Gian Domenico Borasio. Er sagte im Gespräch, dass die Zukunft des Sterbens nicht darin bestehen sollte, das Sterben technisch immer weiter hinauszuzögern, sondern Menschen ein möglichst selbstbestimmtes, würdevolles und leidarmes Lebensende zu ermöglichen. Die moderne Medizin sei hervorragend darin geworden, Leben zu verlängern. Borasio kritisiert jedoch, dass sie häufig Behandlungen fortsetzt, obwohl diese kaum noch Lebensqualität bringen und den Sterbeprozess lediglich verlängern. Der Palliativmediziner betonte, dass der Tod kein medizinisches Versagen sei. Die Gesellschaft müsse lernen, das Sterben wieder als natürlichen Teil des Lebens anzuerkennen, anstatt ihn ausschliesslich zu bekämpfen.

«Wie sieht die Zukunft des Sterbens aus?» Sternstunde Philosophie, SRF. 28.6.2026


Mit einem grossen Fest hat das Flamingo Kinderhospiz in Fällanden Ende Mai seine offizielle Eröffnung gefeiert. Der Auftakt erfolgte am Freitag mit rund 50 geladenen Gästen. Dabei würdigte Regierungsrätin Natalie Rickli die Bedeutung der Institution für betroffene Familien. Vertreterinnen und Vertreter aus Medizin und Stiftung betonten die Notwendigkeit von Kinderhospizen sowie einer gesicherten Finanzierung. Zwei Familien gaben persönliche Einblicke in ihren Alltag mit lebenslimitierend erkrankten Kindern. Erstmals wurde zudem der «Familie Imbach Preis für Pädiatrische Palliative Care» verliehen. Die Auszeichnung ging an Kathrin Hauri vom Universitäts-Kinderspital beider Basel.

Der Samstag stand ganz im Zeichen der Begegnung. Die «Flamingo-Meile» mit Mitmachangeboten, Musik, Kulinarik und kulturellen Darbietungen lockte laut Veranstaltern rund 2500 Gäste an. Zu den Höhepunkten zählten die Märchenstunde mit Röbi Koller und die Uraufführung des Flamingo-Songs «Flüüge» von Carmen Lopez Sway. Den Abschluss bildete ein Benefizkonzert mit «Hamp goes wild & Friends», Larissa Baumann & Band und Special Guest Toni Vescoli.

«Flamingo Kinderhospiz offiziell eröffnet.» Glattaler. 5.6.2026


«Reanimation? Beatmung? Das will ich doch alles nicht mehr. Das ist ein alter Zettel», sagt Erica Meyer. Ein Ruck, und die einstige Notfallverordnung ist zerrissen. Frau Meyer ist eine Frau des kurzen Prozesses, keine, die hadert. Noch nicht einmal mit der eigenen Vergänglichkeit. Frau Meyer, 80, hat COPD, eine chronische Lungenkrankheit, bei der sich die Atemwege zunehmend verengen und das Lungengewebe teilweise zerstört wird. Die Krankheit ist nicht heilbar, irgendwann wird ihre Lunge sie nicht mehr mit Sauerstoff versorgen können.

Frau Meyer hat sich bei Exit angemeldet, als sie von ihrer COPD erfuhr. Nachdem sie letztes Jahr innert weniger Monate viermal auf dem Notfall gewesen war, legten ihr die Ärzte ans Herz, sich bei einer palliativen Spitex anzumelden. Seither bekommt Frau Meyer regelmässig Besuch von Heike Hess. Sie ist Pflegefachfrau und Fachexpertin Palliative Care, seit mehr als 26 Jahren. Sie war in Deutschland dabei, als dort die Palliative Care aufgebaut wurde, und arbeitet nun seit einigen Jahren in der Schweiz für Palliaviva, eine spezialisierte Palliativ-Spitex im Kanton Zürich. Frau Meyer ist froh um Heike Hess und dass sie von Palliaviva eine Notfallnummer hat, wo sie rund um die Uhr anrufen kann und alle genau Bescheid wissen, was sie noch möchte – oder eben vor allem auch: was nicht. «Das gibt mir viel Sicherheit, ich lebe ja allein», sagt sie. Bis am Schluss zu Hause bleiben zu können, das wünsche sie sich.

In der Schweiz hat sich der palliative Ansatz in den letzten Jahrzehnten etabliert. 2010 verabschiedete der Bundesrat eine nationale Palliative-Care-Strategie, um für alle schwerkranken und sterbenden Menschen den Zugang zu palliativer Versorgung zu gewährleisten. Doch obwohl es heute in den meisten Kantonen ein Konzept gibt, bestehen in 19 Kantonen insbesondere in der Langzeitpflege und ambulanten Versorgung noch immer Finanzierungslücken. Das hat Folgen für die Menschen an ihrem Lebensende, die eigentlich ein Anrecht auf diese Versorgung hätten. Aber auch für die Gesellschaft: Denn wie eine Studie der Universität Bern zeigte, liessen sich mit einer besseren ambulanten Palliativversorgung jährlich um die 150 Millionen Franken an Gesundheitskosten sparen.

«Der Tod macht mir keine Angst». NZZ am Sonntag. 7.6.2026


Während ihrer langjährigen Berufsarbeit betreute Astrid Imfeld Menschen in allen Bereichen von der Geburt bis zum Tod. Was 1987 mit der Ausbildung zur Kinderkrankenschwester im Kinderspital Luzern begann, führte über die Frauenklinik und weitere Stationen bis hin zur Pflegedienstleitung im Alters- und Pflegeheim Alp in Emmenbrücke. Stets hatte sie sich entsprechend weitergebildet und 100 Prozent gearbeitet. Mit dem Hinweis: «Palliative Care hat mich seit jeher interessiert», berichtet sie im Gespräch mit dem «Willisauer Bote» von ihren Erfahrungen.

«Mehrmals erlebte ich in der Frauenklinik, dass es für krebskranke Mütter keine andere Möglichkeit gab, als im Spital zu sterben. Das war nicht der passende Ort, um von ihren Kindern Abschied zu nehmen. Das beschäftigte mich sehr.» Oder sie erzählt von Gesprächen mit schwerkranken betagten Menschen. Da die Angehörigen mit der Betreuung überfordert waren, gab es für sie keine andere Möglichkeit als der Umzug ins Pflegeheim. Als kurz nacheinander ihre Mutter und auch ihr Lebenspartner starben, wurde ihr bewusst: «Der Tod gehört zum Leben und ist nicht schlimm. Schwierig kann es jedoch werden, wenn Begleitung und Unterstützung fehlen.» In dieser Zeit las sie das Inserat der Spitex Region Willisau mit der Suche nach einer Fachperson für den Aufbau eines Konzeptes für Palliativ Plus. Der Auftrag dazu war von der Dachorganisation Palliativ Luzern an die Spitexorganisationen ergangen. «Da habe ich mich entschieden, die Palliative Pflege zu meiner Herzenssache zu machen», sagt sie und schildert die Aufbauphase der letzten vier Jahre.

Astrid Imfeld setzte ein Team von fünf dipl. Pflegefachpersonen HF mit langjährigen Berufserfahrungen zusammen, das seit dem 1. Oktober 2024 die spezialisierte Palliativpflege in der Region abdeckt. Das Team wird von Montag bis und mit Freitag inklusive Nachtdienst bei besonders komplexen Fällen eingesetzt. Am Wochenende werden die betreffenden Kundinnen und Kunden vom Somatik Pflegeteam betreut.

Astrid Imfeld betont die Bedeutung einer guten Vorabklärung: «Mit dem Einsatz des spezialisierten Teams sollen die Kundinnen und Kunden länger zu Hause bleiben können, Noteinweisungen und Aufenthalte im Spital reduziert und Übergänge von ambulant zu stationär erleichtert werden. Doch die spezialisierte Pflege der Spitex reicht nicht, damit ein schwerkranker Mensch, solange es geht, zu Hause bleiben kann.» Die Teamleiterin von Palliativ Plus betont: «Es braucht ein ganzes Netz, das die Betroffenen und ihre An- und Zugehörigen auffängt und entlastet. Dazu gehören neben Angehörigen und Nachbarn die Freiwilligen von Besuchsdiensten, Begleit- und Sitzwachgruppen, soziale Dienste wie die Pro Senectute, das Rote Kreuz und die Caritas.»

«Ein tragendes Netzwerk in der letzten Lebensphase». Willisauer Bote. 27.6.2026


Und dieser Podcast ist uns im Juni besonders aufgefallen:

PALLI POD #45 «Warten und Gender in der Palliative Care»: Wessen Zeit zählt wirklich? Gabriela Meissner im Gespräch mit Dr. Julia Rehsmann, Sozialanthropologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Departement Gesundheit der Berner Fachhochschule.