Medienschau August 2026
Mit dem Hospiz in der Stadt Bern wird eine Lücke in der palliativen Versorgung geschlossen. Bislang müssen schwer kranke Erwachsene, die keine akute Spitalbehandlung mehr benötigen, aber nicht nach Hause zurückkehren können, häufig in ein Pflegeheim wechseln – selbst wenn sie erst 30 oder 40 Jahre alt sind. Und Spezialisierte Palliativstationen in Spitälern sind nicht für längere Aufenthalte vorgesehen. Zudem führen die geltenden Tarife dazu, dass Behandlungen von mehr als 14 bis 21 Tagen für Spitäler zum Defizitgeschäft werden können.
Das Hospiz Bern richtet sich vorwiegend an Menschen im Erwerbsalter, deren Lebensende absehbar ist. Anders als im Spital gibt es hier keine vorgegebene maximale Aufenthaltsdauer: Die Betroffenen können bis zu ihrem Tod bleiben. Das Hospiz soll eine Umgebung bieten, die stärker auf die Bedürfnisse Sterbender und ihrer Angehörigen ausgerichtet ist als ein Pflegeheim.
Der Bedarf an solchen Angeboten dürfte deutlich wachsen. Heute sterben in der Schweiz jährlich rund 70’000 Menschen, bis 2050 werden es voraussichtlich 100’000 sein. Etwa 13 Prozent benötigen am Lebensende Palliative Care. Gleichzeitig ermöglicht der medizinische Fortschritt längeres Überleben bei schweren Erkrankungen, wodurch der Bedarf an palliativer Betreuung steigt.
Eine zentrale Herausforderung bleibt die Finanzierung. Hospize werden nach den Regeln der Langzeitpflege finanziert, obwohl ihr Betreuungsaufwand deutlich höher ist als in Pflegeheimen. Das Hospiz Bern ist deshalb auf Spenden angewiesen; wer den Eigenbeitrag nicht bezahlen kann, wird von der Trägerstiftung unterstützt. Bis Ende 2030 beteiligt sich zudem der Kanton im Rahmen eines Pilotprojekts finanziell. Langfristig bleibt jedoch offen, wie Hospizangebote dauerhaft finanziert werden sollen.
«Bei uns darf man sterben, egal wie lange es dauert». Berner Oberländer. 15.8.2026
Die Schweizer Gesundheitsversorgung gilt international als Vorbild. Ausgerechnet bei den Kleinsten klafft jedoch eine Lücke: Bis zu 10’000 Kinder und Jugendliche leben hierzulande mit lebensverkürzenden Krankheiten. Für sie und ihre Familien braucht es spezialisierte Orte, die pflegerische, aber auch psychosoziale Begleitung bieten. Kinderhospize können solche Orte sein.
Doch während in Europa bereits mehr als 100 Kinderhospize bestehen, hat mit dem Flamingo Kinderhospiz in Fällanden erst die zweite Institution schweizweit eröffnet. Das erste Kinderhospiz der Schweiz, das Allani, entstand 2024 in Bern-Riedbach. Hinzu kommt: Bis heute verfügen Kinderhospize und die spezialisierte pädiatrische Palliative Care über keinen eigenständigen Status im Schweizer Gesundheitswesen. Ein grosses Problem für die Kinderhospize sind die Tarife: «Kinder sind nicht einfach kleine Erwachsene», sagt Jürg Herren, Präsident des Stiftungsrats Kinderhospiz Schweiz und Mitinitiant des Kinderhospizes Flamingo in Fällanden. Was bei Erwachsenen in wenigen Minuten standardisiert erfolge, dauere bei Kindern oft deutlich länger. «Die Folge sind strukturelle Finanzierungslücken.»
Gemäss Herren läge eine kostendeckende Tagespauschale im Flamingo etwa bei 2100 Franken. Darin enthalten wären Pflege, psychosoziale Betreuung, Hotellerie, Administration und der Zugang zu einem breiten externen Fachnetzwerk mit Therapeuten und Expertinnen. Die hohe Summe zeige auch den Wert dessen, was Familien tagtäglich leisteten, sagt Herren – «und was es kosten würde, wenn sie dies nicht mehr können».
«Kinderhospiz mit Geldsorgen». Tages-Anzeiger. 31.8.2026
Was ein Kinderhospiz für die Familien bedeutet, zeigt die Reportage des «Tages-Anzeigers». Für Nina Vöhringer und David Siems gehört die Sorge um ihre schwer kranke Tochter zum Alltag. Das Mädchen kam mit dem seltenen Charge-Syndrom zur Welt, das unter anderem Atmung, Hör- und Sehvermögen beeinträchtigt. In ihren ersten Lebensmonaten musste sie mehrfach operiert und reanimiert werden. Heute geht es ihr deutlich besser, doch sie benötigt weiterhin intensive Betreuung. Besonders nachts kommen die Eltern kaum zur Ruhe, da ihre Tochter wegen ihrer Atemwegsprobleme überwacht werden muss.
Entlastung findet die Familie im Kinderhospiz Flamingo in Fällanden, dem ersten Kinderhospiz im Kanton Zürich. Anders als Hospize für Erwachsene ist es nicht in erster Linie ein Ort zum Sterben, sondern ein Rückzugs- und Unterstützungsangebot für Kinder und Jugendliche mit lebenslimitierenden Erkrankungen und ihre Familien. Bis zu acht Familien können gleichzeitig aufgenommen werden. Ein spezialisiertes Pflegeteam übernimmt auf Wunsch die Betreuung, sodass Eltern Zeit zum Schlafen und Erholen haben. Auch Geschwister werden einbezogen. Therapeutische Angebote, Schule, kreative Aktivitäten und Freiwillige ergänzen die Betreuung.
Für Familie Vöhringer ist auch der Kontakt zu anderen Betroffenen wertvoll. Es entstehen Freundschaften, und die Eltern können Erfahrungen und praktische Ratschläge austauschen. Denn neben der Pflege belastet sie vor allem die Bürokratie: Hilfsmittel zu beantragen und verschiedene Stellen zu koordinieren, kostet viel Kraft. Das Flamingo Kinderhospiz verschafft Familien in diesem fordernden Alltag wichtige Unterstützung.
«Im Kinderhospiz findet die Familie Vöhringer wieder Zeit füreinander» Tages-Anzeiger. 31.8.2026
Im Kanton Zürich wird derzeit über das Thema assistierter Suizid in öffentlichen Institutionen diskutiert. Mit der Abstimmungsvorlage von Ende September sollen Alters- und Pflegeheime, Spitäler sowie Rehakliniken im Kanton Zürich in ihren Räumlichkeiten assistierten Suizid dulden müssen, wenn dies die Bewohnerinnen und Patienten wünschen. Dafür muss sowohl das Patientinnen- und Patientengesetz als auch das Gesundheitsgesetz geändert werden. In den Heimen der Stadt Zürich ist assistierter Suizid seit 2001 möglich. Kantonsweit sind alle Alters- und Pflegeheime, die von einer Gemeinde betrieben werden oder einen staatlichen Leistungsauftrag haben, seit Mitte 2023 verpflichtet, in ihren Räumen assistierten Suizid zu dulden.
SVP, EVP und EDU sowie der Regierungsrat sind gegen die Vorlage. Die Parteien kritisieren den anvisierten Zwang für die wenigen nicht staatlich beauftragten Heime. Sie befürchten, dass in den Heimen, die Suizidhilfe aus religiösen oder ethischen Gründen ablehnen, die Belastung für die Mitarbeitenden und Bewohnenden gross sein könnte. Der Regierungsrat seinerseits wehrt sich insbesondere dagegen, Spitäler in die Pflicht zu nehmen. Deren Auftrag bestehe darin, die Gesundheit zu erhalten, wiederherzustellen und zu fördern. Sei dies bei Patientinnen und Patienten mit unheilbaren Krankheiten nicht mehr möglich, komme die Palliativpflege zum Zug. Die Möglichkeit des assistierten Suizids könne somit in einem Spannungsverhältnis zur Palliative Care stehen. Assistierter Suizid im Spital solle daher nur dann erfolgen, wenn eine Rückkehr nach Hause nicht zumutbar sei. Ein Recht auf assistierten Suizid im Spital gehe aber zu weit.
«Sollen Heime und Spitäler für Sterbeorganisationen geöffnet werden? Tages-Anzeiger. 25.8.2026
Menschen mit einer unheilbaren Erkrankung sollen ihre letzte Lebensphase möglichst selbstbestimmt und in Würde verbringen können. Doch in der Schweiz hängt die Finanzierung der Palliative Care wesentlich davon ab, wo diese Betreuung stattfindet. Darauf weist ein Beitrag von «Echo der Zeit» hin. Während die palliative Versorgung im Spital vergleichsweise gut über die bestehenden Strukturen finanziert wird, ist die Situation ausserhalb des Spitals komplizierter. Wer seine letzten Tage zu Hause oder in einem Hospiz verbringen möchte, kann mit Kosten konfrontiert werden, die nicht vollständig von der obligatorischen Krankenversicherung übernommen werden. Für Betroffene und Angehörige kann dies zu einer erheblichen finanziellen Belastung werden.
Es gibt einen grundlegenden Widerspruch: Palliative Care soll sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientieren. Gleichzeitig kann das Finanzierungssystem dazu führen, dass der Sterbeort auch von finanziellen Rahmenbedingungen bestimmt wird. Damit wird eine zentrale Frage aufgeworfen: Wie kann eine Gesellschaft sicherstellen, dass Menschen am Lebensende nicht aus finanziellen Gründen dort betreut werden müssen, wo es für das System am einfachsten zu finanzieren ist, sondern dort, wo es ihren Bedürfnissen und ihrem Wunsch entspricht? Der SRF-Beitrag lenkt den Blick damit auf eine strukturelle Lücke in der Schweizer Palliative Care und auf die Frage, wie eine bedarfsgerechte Finanzierung künftig aussehen müsste.
«Die letzten Tage des Lebens sind nur im Spital finanziert». Echo der Zeit /SRF. 24.8.2026
Wer einen geliebten Menschen mit Alzheimer oder einer anderen neurodegenerativen Erkrankung pflegt, erlebt häufig eine besondere Form des Abschieds: die sogenannte «weisse Trauer». Anders als beim Tod gibt es keinen klaren Bruch. Stattdessen verändert sich die Beziehung schrittweise, vertraute Rollen gehen verloren und gemeinsame Zukunftspläne lösen sich auf. Für Angehörige bedeutet dies eine enorme emotionale und organisatorische Belastung, zumal sich der Zustand der erkrankten Person laufend verändert und keine Besserung zu erwarten ist.
Viele Betreuende erkennen zunächst nicht, dass sie sich bereits in einem Trauerprozess befinden. Rituale, gesellschaftlicher Beistand und Verständnis aus dem Umfeld fehlen häufig. Trauer, Frustration, Wut und Hilflosigkeit können die Folge sein. Gleichzeitig ziehen sich Freunde und Bekannte aus Unsicherheit zurück. Dadurch droht den pflegenden Angehörigen soziale Isolation.
Experten betonen deshalb, wie wichtig es ist, frühzeitig Unterstützung anzunehmen und auf die eigene Gesundheit zu achten. Viele Angehörige tun sich damit jedoch schwer. Aus Pflichtgefühl meinen sie, die Pflege allein bewältigen zu müssen oder dem erkrankten Menschen etwas schuldig zu sein. Dabei leiden Pflegende überdurchschnittlich häufig selbst unter gesundheitlichen Problemen. Besonders belastend sind ambivalente Gefühle: Manche wünschen sich irgendwann ein Ende der Situation und damit auch den Tod des geliebten Menschen. Weil ein solcher Gedanke gesellschaftlich als tabu gilt, entstehen zusätzliche Schuldgefühle. Für manche ist die herkömmliche Trauer nach dem Tod leichter zu bewältigen als der jahrelange, schleichende Abschied.
«Sich den Tod eines geliebten Menschen zu wünschen, gilt als undenkbar». Tages-Anzeiger. 19.8.2026
Als bei Benedict S. aggressiver kleinzelliger Lungenkrebs diagnostiziert wird, beginnt für den 45-Jährigen eine belastende Behandlung mit Chemo- und Strahlentherapie. Es folgen Lungenentzündungen, eine wegen starker Reaktionen abgebrochene Immuntherapie und eine Thrombose. Während dieser Zeit begleitet ihn Pflegeexpertin Annegret Hinkelmann als feste Ansprechpartnerin. Die Betreuung ist Teil des «durchgängigen Patientenpfads», eines Pilotprojekts, das seit Februar 2025 am Universitätsspital Zürich (USZ) für Lungen- und Brustkrebspatienten läuft. Speziell ausgebildete Pflegefachpersonen begleiten Betroffene während der gesamten Behandlung und helfen, medizinische, organisatorische, soziale und psychische Hürden zu bewältigen. Sie erklären Befunde und Therapien in verständlicher Sprache, beraten zu Nebenwirkungen, Ernährung und Bewegung und vermitteln bei Bedarf Ernährungsberatung, Sozialdienst, Physio- oder Atemtherapie. Zudem koordinieren sie Untersuchungen und Behandlungstermine.
Seit Projektbeginn wurden rund 400 Menschen auf diese Weise betreut. Laut USZ verkürzt das Modell die Zeit zwischen Therapieentscheid und Behandlungsbeginn um etwa vier Tage. Auch die Wartezeit auf eine onkologische Pflegesprechstunde hat sich halbiert. Studien zeigen, dass feste Ansprechpersonen Behandlungsverzögerungen reduzieren, die Zufriedenheit erhöhen und Therapieabbrüche verhindern können. Bis Ende 2026 soll das Modell auf die gesamte Onkologie ausgeweitet werden.
«Sie begleitet ihn durch seine Krebserkrankung». Tages-Anzeiger. 12.8.2026
Die spezialisierte Palliative-Care-Station am Spital Thun feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Sie betreut Menschen mit unheilbaren, fortgeschrittenen Erkrankungen wie Krebs, Herzschwäche oder Lungenerkrankungen. Im Mittelpunkt steht nicht mehr die Heilung, sondern die Linderung belastender Symptome und eine möglichst hohe Lebensqualität. Ein spezialisiertes, interprofessionelles Team versucht, die Patientinnen und Patienten so zu stabilisieren, dass sie nach Hause oder in eine geeignete Betreuungseinrichtung zurückkehren können.
Die Wurzeln des Angebots reichen ins Jahr 2003 zurück. Damals gründete das Spital Thun eine spitalexterne Palliativpflege für schwer kranke Menschen zu Hause und in Pflegeheimen. Daraus entstand später der Mobile Palliativdienst. Parallel zeigte sich ein wachsender Bedarf an stationären Palliativbetten. Zunächst standen acht Betten auf einer allgemeinen medizinischen Abteilung im Spital Thun zur Verfügung. Da sich diese Mischform langfristig nicht bewährte, wurde eine eigenständige Station aufgebaut und im August 2016 eröffnet. Bereits zweieinhalb Jahre später erhielt sie das Qualitätslabel «qualitépalliative» und wurde seither mehrfach rezertifiziert.
Heute ist die Station fest im Berner Oberland verankert und eng mit Hausärzten, Spitex, Pflegeheimen und dem Mobilen Palliativdienst vernetzt. Dadurch soll beim Wechsel zwischen Spital, Zuhause und weiteren Betreuungslösungen eine kontinuierliche Versorgung gewährleistet werden.
«10 Jahre spezialisierte Palliative-Care-Station am Spital Thun». Berner Landbote. 12.8.2026
Und dieser Podcasts ist uns im August besonders aufgefallen:
Angie Kunz, die Ehefrau des bekannten Palliativmediziners Roland Kunz, weiss seit eineinhalb Jahren, dass sie unheilbar krank ist. Die beiden erzählen in «Palliaviva – der Podcast», wie sie die Krankheit zwingt, ihren Alltag anzupassen und langsam Abschied zu nehmen.