Medienschau April 2026
Im Rahmen seiner Gesundheitsstrategie hat der Berner Regierungsrat zwei neue Teilstrategien verabschiedet. Sie behandeln die Themen Palliativpflege und Langzeitversorgung älterer Menschen. Die beiden Teilstrategien bieten jeweils einen Überblick über die bestehenden Angebote und zeigen die wichtigsten Herausforderungen auf. Sie legen zudem die konkreten Ziele des Kantons für die kommenden Jahre fest.
Im Bereich Palliative Care sollen Menschen jeden Alters Leistungen beziehen können und auch die Angehörigen angemessen miteinbezogen werden. Der Kanton will bereits vorhandene Angebote weiterentwickeln und neue Dienstleistungen aufbauen. Bisher hat der Kanton Bern unter anderem die mobilen Palliativdienste gefördert. Um die spezialisierte Palliative Care in sozialmedizinischen Institutionen zu verbessern, wird der Kanton ein Pilotprojekt durchführen. Neu soll auch die pädiatrische Palliative Care berücksichtigt werden.
Zukünftig seien die Leistungserbringer der Palliativversorgung und der Kanton Bern noch mehr gefordert, in Netzwerken zu arbeiten und die Schnittstellen zwischen ambulant und stationär zu pflegen, heisst es in der Teilstrategie.
«Pflege im Kanton Bern: Neue Teilstrategien». Berner Zeitung. 9.4.2026
Die palliative Grundversorgung im Kanton Glarus wird durch verschiedene Leistungserbringer sichergestellt. Bei Patientinnen und Patienten mit instabiler Krankheitssituation, komplexem Symptomgeschehen oder hoher Belastung der Angehörigen kann jedoch eine spezialisierte Palliativversorgung erforderlich sein. Während in akuten Situationen teilweise eine Stabilisierung im Spital nötig ist, können viele Betroffene mit entsprechender Unterstützung weiterhin zuhause betreut werden.
Um die Betreuung schwer kranker Menschen im eigenen Zuhause zu stärken, schliesst der Kanton eine Leistungsvereinbarung mit der Krebsliga Ostschweiz ab. Ab dem 1. Juli wird im Glarnerland ein spezialisierter ambulanter Palliative-Care-Dienst eingeführt. Da der Aufbau eines eigenen glarnerischen Brückendienstes personell und finanziell nicht realisierbar wäre, nutzt der Kanton die bewährten Strukturen der Krebsliga, die bereits in den Kantonen St. Gallen und beiden Appenzell erfolgreich etabliert sind.
Die Vereinbarung sichert Glarner Patientinnen und Patienten und Fachpersonen eine Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit von spezialisierten Pflegefachkräften und Palliativärzten zu. Dieser Dienst ergänzt die lokale Spitex bei komplexen medizinischen Situationen, ohne diese zu ersetzen. Finanziell sieht der Vertrag einen jährlichen Kantonsbeitrag von 40 000 Franken vor.
«Mehr Unterstützung für Schwerkranke». Südostschweiz. 14.4.2026
Erkennen palliativer Situationen: Genau dabei soll der EPS-Test helfen. Dieser Test liefert medizinischen und pflegerischen Teams eine Orientierung dabei, den palliativen Unterstützungsbedarf systematisch zu erkennen. Er wurde von palliative.ch gemeinsam mit mobilen Palliative-Care-Diensten in der Deutschschweiz getestet. Und die Auswertung von über 1500 Anwendungen ergab «eine hohe Praxistauglichkeit und grosse Akzeptanz bei Fachpersonen», so die Mitteilung von palliative.ch.
Ob Palliative Care nötig ist, soll also künftig seltener nur mit Erfahrungswerten oder Intuition entschieden werden. Vielmehr schafft der EPS-Test eine strukturierte Entscheidungsgrundlage. Das Instrument erfasst 17 Indikatoren, die palliative Situationen abbilden. Aus der Bewertung ergibt sich eine Punktzahl, mit der sich drei Stufen unterscheiden lassen: kein Bedarf, Bedarf an allgemeiner Palliative Care, Bedarf an spezialisierter Palliative Care. Der Test wird von den zuständigen Fachpersonen ausgefüllt.
Insgesamt neun mobile Palliative-Care-Dienste der Deutschschweiz haben den EPS-Test ein Jahr lang bei allen neu angemeldeten Patientinnen und Patienten eingesetzt. Dabei wurden 1549 Tests durchgeführt. In fast drei Vierteln der Fälle (71 Prozent) zeigte der EPS-Test einen Bedarf an spezialisierter Palliative Care an; weitere 25 Prozent der Patienten benötigten allgemeine Palliative Care.
«Braucht ein Patient Palliative Care?». medinside. 7.4.2026
Im letzten Jahr entschlossen sich schweizweit 1421 Personen dazu, von Exit begleitet aus dem Leben zu scheiden. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einer Zunahme von 186 Fällen. Die Aargauer Mitte-Grossrätin Franziska Stenico erkundigt sich deshalb bei der Regierung, wie sich die Situation im Aargau präsentiert und welche Folgen die Entwicklung auf Polizei und Staatsanwaltschaft hat. Die 60-jährige Freiämterin ist Pflegefachfrau HF und Teamleiterin in der Palliativ-Spitex. Sie war auf Wunsch von Sterbewilligen und Angehörigen auch schon anwesend, wenn ein assistierter Suizid von einer Organisation vollzogen wurde. Nun hat sie einen Vorstoss eingereicht. Franziska Stenico verlangt vom Regierungsrat Antworten auf zehn Fragen zur Situation im Aargau.
«Die Polizei führt in der Regel Abklärungen vor Ort durch, die Staatsanwaltschaft beurteilt die strafrechtliche Relevanz und die Gesundheitsbehörden stehen in Kontakt mit den beteiligten Organisationen», sagt Franziska Stenico. Trotz dieser Relevanz lägen öffentlich kaum umfassende Informationen zu Fallzahlen, Kostenfolgen, Abläufen und der Zusammenarbeit zwischen Kanton und Sterbehilfeorganisationen vor. Deshalb will die Politikerin unter anderem wissen, wie viele Fälle von assistiertem Suizid in den letzten zehn Jahren im Aargau registriert wurden. Wie oft standen Exit, Dignitas oder andere Organisationen im Einsatz? Mit dem Einsatz der Polizei, der Staatsanwaltschaft und anderen involvierten Stellen entstehen dem Staat Kosten. Wie hoch sind diese? Wie hoch ist der durchschnittliche Personalaufwand pro Fall?
Schliesslich erkundigt sich die Mitte-Grossrätin auch, ob Überlegungen bestehen, die statistische Erfassung, die Abläufe oder die Zusammenarbeit mit Sterbehilfeorganisationen zu verbessern oder zu vereinheitlichen. Je nach Entwicklung könnten die Fallzahlen Auswirkungen auf Ressourcenplanung und Budgetierung in den Bereichen Polizei und Justiz haben.
«Assistierter Suizid: Kosten für den Aargau». Aargauer Zeitung. 9.4.2026
Die Ombudsstelle des Kantons Zug ist gefragt: 169 Fälle gingen im letzten Jahr bei ihr ein, das sind sechs mehr als im Vorjahr. Dies geht aus dem kürzlich veröffentlichten Bericht für das Jahr 2025 hervor. 60 der eingegangenen Fälle (35,5 Prozent) betreffen Konflikte mit kantonalen Stellen, 33 (19,5 Prozent) Konflikte mit den Gemeinden. Teil des Berichts ist auch eine Fallbeschreibung, welche die Palliative Care im Kanton betrifft. So wandte sich die Schwester einer krebskranken Frau an die Ombudsstelle und bemängelte, dass diese im Endstadium ihrer Erkrankung keinen Palliativplatz im Kanton Zug finde. Die Ansprechpersonen des Zuger Kantonsspitals, wo die Frau sich befinde, würden die Auffassung vertreten, dass die Patientin noch gar nicht im Endstadium sei.
In Ihren Erwägungen hebt die Ombudsfrau dezent den Mahnfinger. Sie schreibt, dass «die Sicherstellung der Würde am Lebensende einen zentralen Bestandteil einer umfassenden öffentlichen Gesundheitsversorgung» darstelle. Angesichts der steigenden Lebenserwartung werde die Nachfrage in Zukunft noch steigen.
Auch an einer anderen Stelle im Bericht heisst es, dass «mehrfach» auf den Mangel an Palliativpflegeplätzen oder das Fehlen eines Sterbehospizes im Kanton Zug hingewiesen worden sei. Die Ombudsfrau attestiert dem Kanton immerhin, dass dieser sich der Herausforderungen bewusst sei. Denn diese würden auch in der aktuellen Konzeptversion Palliative Care der Gesundheitsdirektion erwähnt.
«Ombudsbericht deutet auf soziale Kälte im Kanton Zug hin». Bote.ch. 22.4.2026
Seit Jahren will der Verein Hospiz Aargau neben Brugg einen weiteren Standort eröffnen. Denn der Bedarf an hochspezialisierter, ganzheitlicher Versorgung am Lebensende nimmt sowohl im Aargau als auch schweizweit immer weiter zu, erklärt Geschäftsleiter Dieter Hermann. Aufgrund der hohen Auslastung sind der Vorstand des Vereins Hospiz Aargau und die Geschäftsleitung seit Längerem intensiv auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten, die einen zweiten Standort ermöglichen sollen. Eine Immobilie in der Nähe des Spitals Zofingen kam bereits 2022 in die engere Wahl. Doch das Projekt scheiterte.
2025 wurde Dieter Hermann im Zentrum von Kölliken fündig. Die Villa Heerematt mit 4000 Quadratmetern Parkanlage an der Hinteren Bahnstrasse 1 bietet die richtigen Voraussetzungen für einen weiteren Standort, ist er der Meinung. «Mir persönlich war es wichtig, dass die Liegenschaft im Grünen liegt und weitläufig ist.» So könne er bei Bedarf mit den Patientinnen und Patienten an die frische Luft gehen. Im September hat der Verein Hospiz Aargau dem Verkauf zugestimmt und im November wurde der Kaufvertrag unterzeichnet sowie der Eintrag im Grundbuchamt vorgenommen. Kostenpunkt für die Liegenschaft mitsamt Parkareal: Rund 3 Millionen Franken. «Die Planung befindet sich in den letzten Zügen und wir hoffen, Ende Mai das entsprechende Baugesuch einreichen zu können.» Ziel sei es, im Herbst 2028 den Betrieb in Kölliken aufzunehmen.
«Passende Liegenschaft gesichert». Aargauer Zeitung. 21.4.2026
Der noblen Privatklinik Lindberg in Winterthur droht die Schliessung. Die Eigentümerin Swiss Medical Network denkt laut über eine Neuausrichtung nach. Stationäre Angebote sollen künftig stärker in Zürich und Schaffhausen gebündelt werden. Für den Winterthurer Standort würde dies das Aus bedeuten – nach 120 Jahren. Für die Mitarbeitenden beginnt nun eine Zitterpartie. Ein Konsultationsverfahren läuft bereits. Ideen zur Rettung sind gefragt. Ziel ist es, Kündigungen möglichst zu vermeiden. Die Privatklinik Lindberg verfügt über 53 Betten. Sie hat 94 Belegärztinnen und Belegärzte sowie 123 Mitarbeitende.
Das Kantonsspital Winterthur (KSW) prüft derweil, einen Teil der Privatklinik Lindberg für Palliative Care und die Akutgeriatrie zu nutzen, wie es in einer Medienmitteilung steht. Der Bedarf steigt rasant, die bestehenden Kapazitäten reichen nicht mehr. Man müsse sich «an die Bedürfnisse einer wachsenden und älter werdenden Bevölkerung anpassen», so KSW-Chef Guido Speck.
«Noble Privatklinik steht vor dem Aus». Blick. 10.4.2026
Der studierte Philosoph Anton Distler arbeitet seit zehn Jahren als Pflegefachmann in leitender Funktion im Pflegezentrum Bauma im Zürcher Oberland. Dort leben Männer und Frauen, die schwere Straftaten begangen haben. Anton Distler pflegt sie und spricht im Interview, wie es gelingt, Menschlichkeit zu bewahren, wenn man weiss, was das Gegenüber getan hat. Man müsse «im richtigen Moment das Richtige sehen», sagt er. Wenn er am Bett stehe und jemanden wasche, ankleide oder ihm das Essen eingebe, sehe er nicht die früheren Taten. «Ich sehe einen Menschen, der in diesem Moment hilfsbedürftig ist. Natürlich weiss ich, was diese Person getan hat. Aber Pflege heisst nicht richten. Pflege – und dazu gehört auch forensisch-psychiatrische Pflege und Betreuung – heisst, Leben als Ganzes zu erhalten, Leiden zu lindern, Würde zu sichern.» Würde er beginnen, einen Menschen auf seine schlimmste Handlung zu reduzieren, verlöre er seine Professionalität und seine Menschlichkeit.
Zur Frage, wie man bei Straftätern grundsätzlich mit dem Thema Sterben umgehe, meint Anton Distler: «Wir begleiten Leben und Sterben, soweit und solange es möglich ist, ganz im Sinne der palliativen Grundsätze; wir verlängern Leben demnach nicht um jeden Preis, und darin machen wir keinen Unterschied zwischen Straftätern und «normalen» Patienten.» Wenn angezeigt, arbeite man palliativ, aber assistierte Sterbehilfe biete man nicht an. «Dies ist eine sehr bewährte ethische Entscheidung und Haltung unseres Hauses – und auch meine persönliche Grundhaltung. Ich halte es für gesellschaftlich problematisch, den assistierten Suizid zur regulären Option zu machen, gerade für psychisch Kranke oder jüngere Menschen.»
Ob sein differenziertes Denken daher komme, dass er Philosophie studiert habe, möchte die Journalistin wissen: «Möglicherweise. Ich habe das Denken und Reflektieren nie aufgegeben. Es hilft mir täglich bei Entscheidungen und im Handeln.»
«Pfleger für Straftäter – Ein Blick hinter die Kulissen». St. Galler Tagblatt. 20.4.2026
Mit einer erstmals stattfindenden Themenwoche in Olten und Solothurn will der 2009 gegründete Verein palliative.so die Bevölkerung vom 10. bis 17. Oktober für die Thematik Palliative Care sensibilisieren und darüber informieren, was mit dem «Sterben daheim» konkret gemeint ist. Die kantonale Palliative-Care-Woche soll helfen, Berührungsängste abzubauen, die in unserer Gesellschaft beim Thema Tod existieren. Und die Bevölkerung soll gemäss Cornelia Mackuth-Wicki, Leiterin Geschäfts- und Koordinationsstelle des Vereins, aufgeklärt werden, welche vielfältigen Angebote im Bereich Palliative Care im Kanton Solothurn existieren und welches die Anlaufstellen sind. Die Eventwoche soll auch mithelfen, das kantonale Netzwerk von Fachpersonen und Organisationen noch enger zu verknüpfen.
Das Angebot der Palliativwoche ist vielfältig: Es reicht vom Inputreferat eines renommierten Gesundheits- und Pflegewissenschafters über Filmvorführungen, Letzte-Hilfe-Kurse und Angebote der Maltherapie als Möglichkeit der Unterstützung bis hin zu einer Erlebnis-Buchlesung für Familien mit Kindern. Während der gesamten Woche wird vor der Oltner Stadtkirche zudem der Kubus «Bevor ich sterbe…» stehen, und mit der Wanderausstellung «Zuhause sterben» wird der Bevölkerung eine Annäherung und eine Auseinandersetzung mit der Thematik ermöglicht.
«Palliative-Care-Woche in Solothurn und Olten». Solothurner Zeitung. 18.4.2026
Und dieser Podcast ist uns im April besonders aufgefallen:
Eine Studie der Universität Zürich zeigt, dass es ein starkes Bedürfnis gibt nach seelischer Unterstützung im Spital oder der Klinik – auch bei Menschen, die mit Kirche nichts am Hut haben. Mit Studienleiter Simon Peng-Keller, Professor für Spiritual Care, werden die Ergebnisse im srf-Podcast «Perspektiven» besprochen.