Medienschau Januar 2026
Am 6. Januar ist für schwerstkranke Kinder und ihre Familien ein besonderer Tag: Dann macht das «Flamingo Kinderhospiz» in Fällanden seine Türen auf. Es soll ein Ort der Geborgenheit sein für Kinder, die keine Aussicht auf Genesung mehr haben. Und ein Ort zum Durchatmen für ihre Eltern. Denn das Leben mit einem unheilbar kranken Kind ist oft kaum zu bewältigen.
Jeder Tag sei ein Hindernislauf, berichtet zum Beispiel die Familie von Keno. Allein die Nahrungsaufnahme über eine Sonde dauere vier Stunden. Täglich müssten 20 Medikamente verabreicht werden. Dazu kämen 60 medizinische, pflegerische und therapeutische Massnahmen. Seine Pflege, zahlreiche Termine und eine ständige Alarmbereitschaft bestimmen den Alltag der Familie seit nunmehr zwölf Jahren. Als beim damals Achtjährigen eine akute Phase der Krankheit eintrat und er rund um die Uhr medizinische Hilfe brauchte, konnte er nicht im Spital bleiben, denn er galt als austherapiert. «Wir waren völlig verzweifelt und hätten uns nichts dringender gewünscht als einen Ort wie das Flamingo Kinderhospiz», sagt Maike Nugor.
Dass Familien an den Rand ihrer Kräfte geraten, ist ein Szenario, das Jürg Herren nur zu gut kennt. Der Präsident der Stiftung Kinderhospiz Schweiz weiss, dass jede betroffene Familie Unermessliches leistet. «Ich habe miterlebt, wie Familien daran zerbrochen sind.»
Im Flamingo Kinderhospiz können gleichzeitig acht Kinder und ihre Familien eine Verschnaufpause vom Alltag einlegen. Möglich sind bis zu zwei Wochen am Stück, 28 Tage pro Jahr. Angehörige kommen für ihren Teil der Unterkunft und Verpflegung auf und zahlen 80 Franken pro Tag, ausser in Härtefällen. Offen ist, wie die Pflegleistungen abgegolten werden. Denn anders als in anderen europäischen Ländern gibt es in der Schweiz noch keine gesetzlichen Tarife für Hospize.
«Das Flamingo Kinderhospiz bietet mehr als nur Pflege». Srf.ch. 5.1.2026
Auch das Regionaljournal Zürich-Schaffhausen von Radio SRF berichtet über die Inbetriebnahme des Flamingo Kinderhospiz. Das Radioteam ist auf einen Rundgang mit der Geschäftsführerin Elisabeth Brenninkmeijer gegangen und hat als erstes von ihr wissen wollen, was das Kinderhospiz Flamingo für ein Ort sei. «Ein Kinderhospiz ist eigentlich das, was man auf einer Passhöhe findet, ein Ort, wo man ankommt und wo man sich erholen kann. Meist ist der Weg zu einem Hospiz ziemlich beschwerlich. Und genau dies erleben auch unsere Familien und die betroffenen Kinder, deshalb kommen sie hierher.» Und wer genau kommt ins Kinderhospiz? Ihre Gäste seien Kinder und Jugendliche mit lebensverkürzenden Krankheiten, sagt Elisabeth Brenninkmeijer. Und dies bedeute meistens, dass sie das Erwachsenenalter nicht mehr erleben würden. Warum das Flamingo die Eröffnung mit dem Slogan «Dem Tag mehr Leben geben» bewerbe, will der Journalist wissen. Das sei ein Zitat von der Cicely Sanders, eine Engländerin, welche die Hospizarbeit begründet habe. «Und das bedeutet, dass wir das Leben nicht verlängern können. Wir können nicht dem Leben mehr Tage geben, aber wir können diesen Tagen mehr Leben geben, indem wir unterstützen, positive Situationen und Erinnerungen schaffen, uns mit schönen Dingen beschäftigen und Leiden lindern.» Und das könne man alles in einem Kinderhospiz – für die betroffenen Kinder, für die Familien und für die gesunden Geschwister.
«Kinderhospiz Flamingo nimmt Betrieb auf». Regionaljournal SRF. 5.1.2026
Auch in der Stadt Zürich soll es ein Kinderhospiz geben. FDP-Gemeinderatsmitglieder der Stadt Zürich haben ein Postulat eingereicht, das nach dem Kinderhospiz Flamingo ein zweites im Kanton fordert, nämlich in der Stadt Zürich. Es gebe einen anerkannten Bedarf für solche Einrichtungen, schreiben die Postulanten in ihrem Vorstoss. Das Stadtparlament wird sich in einer der kommenden Sitzungen mit dem Thema befassen.
Gemäss einer Studie gibt es in der Schweiz rund 5000 Kinder bis 18 Jahre, die unheilbar krank sind und palliative Pflege brauchen. Neben dem Flamingo in Fällanden gibt es in der Schweiz jedoch erst ein anderes Kinderhospiz, das Allani in Bern. Auch dieses bietet Platz für acht Kinder und Jugendliche und ihre Familien.
Anders als in anderen europäischen Ländern gibt es in der Schweiz keine gesetzlichen Tarife für Hospize, öffentliche Gelder sind begrenzt, weshalb diese Einrichtungen grösstenteils durch Spenden finanziert werden. Im Ausland gibt es finanzierte Stationen bereits seit mehreren Jahren, in ganz Europa sind es über 130.
«Auch in der Stadt Zürich soll es ein Kinderhospiz geben». Tages-Anzeiger. 5.1.2026
Die Emotionen um die Geburtenabteilung am Spital Region Oberaargau (SRO) gehen wieder hoch. Dies auch wenn sie seit bald vier Monaten geschlossen ist und die schwangeren Frauen zum Gebären ans Partnerspital in Burgdorf verwiesen werden. Anlass für die jüngste Aufregung bieten Aussagen, welche die Chefetage kurz vor Weihnachten gemacht haben soll. Geplant sei, den Bereich der Palliativpflege auszubauen und in einer medizinischen Station zu bündeln. Das würde bedeuten, dass in den zehn Zweierzimmern, in denen bisher das Leben seinen Anfang nahm, offenbar «in Zukunft das Leben zu Ende gehen wird», wie die Kritiker meinen. Entsprechend harsch fallen die Reaktionen aus. «Die Umwandlung einer Geburtshilfe in eine Sterbeabteilung ist ein weiterer Akt unsensibler Spitalpolitik», heisst es in einer Mail an die Redaktion der «Berner Zeitung».
Die SRO-Verantwortlichen kommunizieren dazu zurückhaltend. In einem Mail bestätigen sie ihrerseits, dass das Angebot im stationären Bereich neu organisiert wird. Das passiere auch, weil «der Bedarf an medizinischen Behandlungsplätzen im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung zunehmen wird». Ziel sei es, die palliative Behandlung an einem Ort zu konzentrieren. Wo dies sein soll, stellen die Verantwortlich aber nicht klar.
Dass die Emotionen nun erneut derart hochgehen, kommt nicht von ungefähr. Als die Spitalleitung im letzten Sommer das Aus für die Geburtenabteilung verkündete, kam es zu einer spontanen Demo.
«Wird aus der Geburtenabteilung eine Palliativpflege?». Berner Zeitung. 26.1.2026
Die Zürcher GLP-Kantonsrätin Claudia Hollenstein macht sich in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» stark für Sterbehilfe in Spitälern, nachdem ihr Vater für seinen begleiteten Suizid unter Schmerzen nach Hause verlegt werden musste. Dieses Jahr muss der Zürcher Kantonsrat entscheiden, wie er sich zur Volksinitiative «Selbstbestimmung am Lebensende» stellt und ob er einen Gegenvorschlag unterstützt, der vorsieht, dass alle Alters- und Pflegeheime und Spitäler Sterbehilfe in ihren Räumen zulassen müssen. Die gelernte Pflegefachfrau Claudia Hollenstein (58) setzt sich dafür ein, weil sie weiss, was es heisst, wenn ein Spital einer schwer kranken Person keine Sterbehilfe erlaubt.
Ihr Vater erhielt nach der Diagnose Lungenkrebs Anfang 2024 Chemotherapie und Bestrahlung. Als klar wurde, dass er unheilbar krank ist, wurde er in ein anderes Spital verlegt. Dort wäre er gern mit Exit gestorben. «Aber das Spital hat das nicht zugelassen.» Schliesslich hat er sich entschieden, daheim zu sterben. Obwohl klar war, dass der Transport qualvoll würde. «Er hatte starke Schmerzen, sein Tumor hatte am Rücken eine Auswölbung gebildet. Jede Bewegung tat weh», sagt Claudia Hollenstein. Warum erhielt er keine Schmerzmittel für den Transport? «Man hätte ihn sedieren müssen, um ihm die Schmerzen zu nehmen. Aber für einen begleiteten Suizid darf die Entscheidungsfähigkeit nicht beeinträchtigt sein.»
Nun will sie sich einsetzen, dass Spitäler und Altersheime Sterbehilfeorganisationen Zutritt gewähren müssen. Und was sagt sie zur Palliative Care als Alternative? «Das ist auf jeden Fall eine gute Sache. Aber es gibt Menschen, die das nicht wollen. Für viele ist Palliativpflege stimmig. Aber für viele eben nicht. Sterbehilfe ist eine Ergänzung, keine Konkurrenz.»
«Man kann ganz verschiedene Haltungen zur Sterbehilfe haben». Tages-Anzeiger. 13.1.2026
Hannah Schmieg, Oberärztin Palliative Care am Luzerner Kantonsspital (Luks), ist seit dem 1. Januar 2026 Mitglied der Nationalen Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK), wie die «Luzerner Zeitung» schreibt. Schmieg gilt als «ausgewiesene Expertin für komplexe ethische Fragestellungen im Gesundheitswesen». Seit 2021 ist sie am Luks tätig, zuerst als internistische Oberärztin und seit 2022 als Oberärztin in der Palliativmedizin.
Die Nationale Ethikkommission ist ein unabhängiges Expertengremium des Bundes. Sie informiert über den aktuellen medizinischen Forschungsstand und analysiert ethische Herausforderungen sowie gesellschaftliche Auswirkungen biomedizinischer Entwicklungen.
«Luzerner Ärztin in Ethikkommission». Luzerner Zeitung. 21.1.2026
In der Surselva gibt es ein Hospiz der besonderen Art: Es ist mehr Wohngemeinschaft als reine Pflegeeinrichtung. Menschen jeden Alters können hier ihren letzten Lebensabschnitt in der Heimat verbringen. Mittendrin lebt auch der Gründer des Tenna Hospiz: Othmar F. Arnold. Er ist für die Auszeichnung «Bündner Persönlichkeit 2025» nominiert worden.
In der Heimat sterben. Das ermöglicht seit bald fünf Jahren das Tenna Hospiz in der Surselva. Hier können Menschen ihren letzten Lebensabschnitt in der Heimat verbringen, ohne gerade dann wegziehen zu müssen, wenn pflegerische und medizinische Hilfe nötig wird. Othmar F. Arnold hat es gegründet – mit einem Blick für die Bedürfnisse der Menschen in der Region. Wie nötig ein solcher Ort ist, zeigte ihm über viele Jahre seine Arbeit in den ambulanten Diensten der Region, bei der Spitex und im palliativen Brückendienst Graubünden. Er erlebte immer wieder, wie Menschen in vertrauter Umgebung sterben wollten – und dann trotzdem wegziehen mussten. Wie schlimm das ist, merkte er vor allem 2014, als sein guter Freund im Sterben lag. «Im Spital sagte er zu mir, dass er nach Hause will. Also brachte ich ihn zurück in die Surselva.» Arnold kümmerte sich um ihn in seinem eigenen Zuhause, begleitete ihn bis zum letzten Atemzug. Diese prägende Erfahrung löste den Entschluss aus, ein Hospiz zu gründen, das den Menschen in ihrer letzten Lebensphase Heimat bietet. Drei Monate verbrachte er in Stille, überlegte, studierte, plante – ehe er den Verein 2016 gründete.
Der Aufbau des Hospizes war nicht einfach. Skepsis und auch bürokratische Hürden begleiteten das Projekt von Anfang an, doch die Einbeziehung der Talbevölkerung machte den Unterschied. Bei der ersten Infoveranstaltung erschienen statt der erwarteten zehn Skeptiker 64 Menschen, die das Vorhaben neugierig, offen und auch kritisch unterstützten. Die Idee für ein Projekt, bei dem nicht die Medizin, sondern der Mensch im Fokus steht, gewann an Zuspruch. Im Mai 2021 konnte in Tenna Eröffnung gefeiert werden. Heute leben sieben bis neun Menschen gleichzeitig im Haus. Wer Hilfe braucht, wird aufgenommen, solange Platz und Konstellation es erlauben.
«In der Heimat bis zum letzten Atemzug». Bündner Tagblatt. 12.1.2026
Christine Matti leitet den mobilen Palliativdienst Thun/Obersimmental-Saanenland und betreut unheilbar Kranke in ihrer letzten Lebensphase. Der Tod ist in ihrem Arbeitsalltag allgegenwärtig, womit nicht jeder umgehen kann. Besonders belastend sind Fälle junger Menschen oder wenn Mütter aus ihren Familien gerissen werden. Auf Anfang Januar wurden die Palliativdienste im Berner Oberland zum regionalen Netzwerk zusammengeführt.
Lähmende Angst, unermessliche Schmerzen, mit der Kraft am Ende. Man kann nur schwer erahnen, was die Menschen durchmachen, denen Christine Matti begegnet. Die 60-Jährige betreut unheilbar Kranke in der letzten Phase ihres Lebens – «mit dem Mund und dem Herz», wie sie sagt. «Man muss auf die Menschen eingehen. Wie geht es ihnen? Was brauchen sie?» Sind es Medikamente, um in Absprache mit dem Arzt die Schmerzen zu lindern? Ist es etwas gegen die Übelkeit? Und sie hört zu, auch bei den Sorgen und Fragen der Angehörigen. «Und wenn ich merke, jemand braucht das jetzt, halte ich auch mal die Hand oder nehme jemanden in den Arm.»
«Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen», nennt die Pflegefachfrau einen Unterschied des mobilen Palliativdienstes zur eng getakteten Arbeit etwa der Spitex-Dienste, für die sie ebenfalls viele Jahre tätig war. Mindestens eine Stunde werde für einen Einsatz eingeplant, maximal drei Einsätze pro Tag absolvieren Christine Matti und ihre Teammitglieder. Im Palliativdienst arbeitet sie seit dreieinhalb Jahren. Die Arbeit habe etwas sehr Wertvolles, Sinnstiftendes.
«Arbeiten im Palliativdienst». Berner Zeitung. 13.1.2026
Und diese Podcasts sind uns im Januar besonders aufgefallen:
Im Podcast «Spitex-Welten» spricht Host Jennifer Kummli mit Dr. Andreas Weber darüber, warum es sich lohnt, seine Wünsche an die medizinische Therapie früh zu thematisieren.
Im aktuellen Podcast «relevant» von ERF Medien geht es um Schicksalsschläge und Trauer – und darum, wie wir ihnen als Gesellschaft und als Einzelne begegnen können.